Kleiner Nachtrag zur Ausstellung der Hobbykünstlerinnen in Bonn
Anneliese 29. Oktober 2011
Anne Türck hat mir verraten, dass sie nicht nur ihre Tonwaren ausstellen, sondern auch Weihnachtsgeschichten von Walter Kiesenhofer lesen und Bücher des Glasvogelschwarms verkaufen will.
Walters Geschichten passen wunderbar in die Adventszeit. Einzelheiten zu unseren Veröffentlichungen - auch zu Walters Buch - findet Ihr auf dieser Website unter der Rubrik “Bücher”.
Und hier ist eine Leseprobe aus der Geschichte “Grauschimmels Heimkehr”.
“… Unser braver Esel ging die vertrauten Wege, sah vertraute Häuser, sah neue Häuser und Stallungen. Aber er fand diesen einen Stall nicht, wo er seine Jugendzeit zugebracht hatte. Er stand nicht mehr. Zwar entdeckte unser Freund die Stelle, wo die Holzpfosten neben dem Felsen standen, scharrte mit einem Vorderhuf auch einige Reste der alten Lehmmauern frei, aber mehr als einige kümmerliche Reste waren davon nicht mehr vorzufinden. Im Lauf seines langen Lebens hatte er gelernt, dass die Dinge nicht immer das waren, was sie zu sein scheinen. Es konnte Räume geben, die von keinen Mauern begrenzt waren. Er ließ sich an der Stelle nieder, wo früher immer sein Platz gewesen war und genoss die Stille der Nacht. Vieles zog durch seinen Sinn: wo das Kind lag, wo der Ochs seinen Platz hatte, wo die anderen Tiere gewöhnlich lagerten.
Mit einem Mal war ihm, als läge er wieder im Stall wie damals. Die Wände sah man, wenn die Finsternis der Nacht hereingebrochen war, auch früher nicht. Die Decke aber war nun höher, viel höher als damals, und es leuchteten tausend Sterne nieder. Er sog den Duft von frischem Stroh ein und blinzelte in den hell glitzernden Sternenhimmel. Leuchtete nicht ein besonderer Stern zu jener Zeit, genau über ihnen? Als die Erinnerung in ihm hochstieg, da glomm in der Mitte des Firmaments ein Stern auf: erst unscheinbar und klein, dann aber strahlte er groß und mächtig und hell. Ein behutsames „i-aah“ entwich der müden Eselsbrust. Leise und ergriffen wie damals. Und er blickte hinüber, ob er das Kind damit wohl nicht geweckt hatte.
Aber es lag wach. Es blickte ihn an. Im Licht des wundersamen Sterns schien das Kindlein ganz und gar aus Licht zu sein. „Komm“, sagte es leise, „komm mein Freund, mein treuer Freund! Komm, wärme mich mit deinem Atem!“ Und so wärmte er mit seinen letzten Atemzügen das wundervolle Kind, legte sich dann ruhig neben die Krippe nieder und fühlte sich so glücklich, dass es weder Esel noch Menschen beschreiben könnten … “
(c) Walter Kiesenhofer

