{"id":74,"date":"2017-01-02T11:33:04","date_gmt":"2017-01-02T11:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/regenherz.de\/?page_id=74"},"modified":"2017-01-19T12:51:27","modified_gmt":"2017-01-19T12:51:27","slug":"hilfe-meine-tochter-hat-ein-alien-geheiratet","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/regenherz.de\/?page_id=74","title":{"rendered":"Hilfe, meine Tochter hat ein Alien geheiratet!"},"content":{"rendered":"<p><b> (Kurzgeschichte, 2002)<\/b><\/p>\n<p class=\"einzug\">Michelle muss vollkommen verr\u00fcckt sein! Ein bisschen gesponnen hat sie ja schon immer &#8230; sie hat leider diese Star Wars- und Obi-Wan-Macke, tr\u00e4umt von Jedi-Rittern mit Lichtschwertern! Nat\u00fcrlich ist sie sich viel zu fein f\u00fcr ganz normale franz\u00f6sische M\u00e4nner. \u201eNein, Mama, ich will diesen Beamten vom st\u00e4dtischen Wasserwerk nicht &#8230; und auch nicht den Lehrer. Nein, Mama, ich liebe keinen von beiden &#8230;&#8220;<br \/>\nUnd dann fiel ihr auf einmal eine ganz neue Marotte ein: Heylanische Philosophie! Als wenn eine h\u00fcbsche Frau so was braucht!<br \/>\nWenn es nach mir gegangen w\u00e4re &#8230; Paul h\u00e4tte mir als Schwiegersohn schon gefallen. Er gr\u00fc\u00dft immer so nett, sieht tadellos gepflegt aus &#8230; und er wird irgendwann das entz\u00fcckende kleine Bistro am Markt erben. Michelle h\u00e4tte es so gut gehabt! Immer genug Krediteinheiten!<br \/>\nIch wei\u00df doch, was es hei\u00dft mit einem schlecht bezahlten Bibliothekar verheiraten zu sein, der obendrein nur Sinn f\u00fcr seine Schm\u00f6ker hat und seiner Tochter v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssige Schnapsideen in den Kopf setzt &#8230; so was wie heylanische Philosophie!<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aber das war wohl eher dieser Professor Andal. Mit dem hat alles angefangen &#8230; mit seiner heylanischen Philosophie und seinem kostenlosen Privatunterricht in Mentalkontrolle. Man m\u00fcsste so was glatt verbieten: Au\u00dferirdische, die anst\u00e4ndigen Menschen die gut bezahlten Professorenstellen vor der Nase wegschnappen und den Studenten irgendwelchen M\u00fcll eintrichtern. Meine Michelle hat nur noch Flausen im Kopf, seit sie diesen Andal kennt. Sie wollte sogar in den Ferien nach Heyla, als wenn jemals einer aus unserer Familie sich so eine teure Reise geleistet h\u00e4tte! Ich habe gesagt, dass bei dem mickrigen Einkommen ihres VAaters so was nicht drin w\u00e4re und basta! Da hat sie den ganzen heylanische Philosophiequatsch wie eine Verr\u00fcckte geb\u00fcffelt und leider ihre ersehnte Reise ins gelobte Land als Auszeichnung gekriegt.<br \/>\n\u201eNein!&#8220; habe ich sofort protestiert. \u201eDas kommt \u00fcberhaupt nicht infrage &#8230; noch mehr Umgang mit diesen arroganten Pinselohren und sie wird uns nur noch f\u00fcr bescheuert halten! F\u00fcr die ist doch die ganze Menschheit dumm und unterentwickelt &#8230;&#8220; Aber nein, ihr lieber Papa musste es ihr erlauben und nun &#8230;<\/p>\n<p class=\"einzug\">Sie ist einfach mit so einem d\u00fcrren, gr\u00fcnbl\u00fctigen Kerl zur Erde zur\u00fcckgekommen! Der hat sich doch glatt erdreistet, dem netten Paul zu verbieten, meiner Tochter Blumen zu schenken, weil meine kleine Michelle nun seine Gemahlin sei und es nicht richtig w\u00e4re, dass er sie immer noch sexuell begehrt! Er hat es einfach so ausgesprochen und der arme Paul ist knallrot geworden und mitsamt seinen Blumen gefl\u00fcchtet.<br \/>\nIch h\u00e4tte den Kerl erw\u00fcrgen k\u00f6nnen!<br \/>\nJa, es tut mir Leid, ich habe den halben Raumhafen zusammengeschrien &#8230; aber was sollte ich denn sonst machen? Meine einzige Tochter hat, ohne mich zu fragen ein Alien geheiratet! Nat\u00fcrlich habe ich dem verdammten Pinselohr den Mund verboten und von meiner Tochter verlangt, dass sie sich auf der Stelle scheiden l\u00e4sst. Sie hat es einfach abgelehnt &#8230; und au\u00dferdem behauptet, dass das wegen der mentalen Bindung \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Verdammte Heylaner! Ich m\u00f6chte blo\u00df wissen, was sie an dem krakeligen Kerl findet? Er ist gro\u00df, knochig und obendrein auch noch schwarz wie die Nacht &#8230; und dann diese Haare an den Ohren!<br \/>\nIch bin bestimmt keine Rassistin, aber wenn Michelle schon unbedingt einen Au\u00dferirdischen nehmen muss &#8230; muss der dann auch noch pechschwarz sein? Und dunkelgr\u00fcne Lippen haben &#8230;A und eine gr\u00fcne Zunge! Igitt! Von so etwas l\u00e4sst sich meine s\u00fc\u00dfe blonde Tochter auch noch k\u00fcssen! Das ist doch ausgesprochen eklig und v\u00f6llig pervers! Ich m\u00f6chte gar nicht wissen, was an dem Kerl noch alles gr\u00fcn aussieht &#8230; und wahrscheinlich riesengro\u00df ist.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Dabei hat Michelle sich jahrelang wie ein P\u00fcppchen R\u00fchrmichnichtan aufgef\u00fchrt. Sie war so zickig, dass ich schon bef\u00fcrchtete, dass sie gar keinen Mann abkriegt. Nur deshalb habe ich mich doch f\u00fcr sie auf die Suche gemacht! Dieses ganze \u00fcberempfindliche Getue hat so genervt &#8230; und nun.<br \/>\nNur eine echte Schlampe wirft sich schon nach wenigen Tagen einem wildfremden Kerl an den Hals &#8230; und nur eine neugierige Oberschlampe tut es mit einem Au\u00dferirdischen &#8230; l\u00e4sst sich so ein gr\u00fcnes Ding \u00fcberall hereinschieben und missachtet unsere netten franz\u00f6sischen M\u00e4nner.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Und alles hat mit dieser widerlichen heylanischen Philosophie angefangen! Man sollte so etwas gar nicht erst an unseren Universit\u00e4ten lehren! Als wenn wir Menschen nicht unsere eigenen Philosophen h\u00e4tten &#8230; und nette M\u00e4nner wie Paul! Dieser d\u00fcrre, pinselohrige Neger sieht wie ein richtiger Hungerleider aus, da wird sich Michelle ihre schicke Kosmetik und das alles abschminken k\u00f6nnen &#8230; von mir kriegt sie jedenfalls nichts mehr! Ich m\u00f6chte nur wissen, in welchem Kaff sie den Kerl aufgelesen hat. Wie der mich angesehen hat, als ich von Michelle verlangt habe, dass sie sich scheiden l\u00e4sst! Seine schwarzen Augen haben auf einmal richtig gegl\u00fcht &#8230; nach heylanischem Umahaij sah das nicht gerade aus!<br \/>\nUnd mein vertrottelter Mann meinte auch noch, dass ich hirnrissig w\u00e4re und er den Ehemann seiner Tochter sehr gern kennen lernen w\u00fcrde. Ich jedenfalls pfeife auf einen Schwiegersohn in seltsamen Klamotten, mit behaarten Ohren und eineAm riesengro\u00dfen gr\u00fcnen &#8230;<br \/>\nDas Schlimmste war: Meine kleine Michelle ist einfach mit ihm weggegangen! \u201eIch bin nicht mehr eure Tochter! Wenn ihr meinen Ibor ablehnt, bin ich nicht mehr eure Tochter!&#8220; Danach ist ihr feiger Sack von Papa aufs Klo verschwunden und nicht wieder aufgetaucht &#8230; es gab leider eine Hintert\u00fcr. Wahrscheinlich bes\u00e4uft er sich jetzt gerade irgendwo, w\u00e4hrend ich vor Wut Torte in mich hineinstopfe und am liebsten diese arroganten Heylaner mit Stumpf und Stiel ausrotten m\u00f6chte! Wer braucht solche Affen schon, ihre d\u00e4mliche Mentalkontrolle, ihr stinklangweiliges, hochtrabendes Getue oder gar ihre abartige Philosophie! Die Menschheit w\u00e4re ohne Heylaner viel besser dran!<\/p>\n<p class=\"einzug\">Jetzt ist es schon ganze sieben Wochen her und meine Michelle ist tats\u00e4chlich nicht wieder nach Hause gekommen. Mein Mann ist neuerdings dauernd unterwegs &#8230; und wenn er zu Hause ist, liest er irgendwelche unverst\u00e4ndlichen Datentr\u00e4ger \u00fcber irgendwelchen heylanischen Unsinn! Wie es aussieht, hat er sich mit dem Pinselohr arrangiert. Aber ich werde das nicht tun! Niemals! Und jetzt sitze ich unauff\u00e4llig in der Mensa und versuche, meine Tochter allein abzupassen. Da kommt sie ja endlich &#8230; und nat\u00fcrlich wieder mit ihrem Kerl! Wahrscheinlich studiert der auch hier, denke ich und sehe auf einmal, wie die Studenten ihn ehrf\u00fcrchtig gr\u00fc\u00dfen: \u201eGuten Tag, Herr Professor Ibor!&#8220;<br \/>\n\u201eH\u00e4tten Sie bitte einen Augenblick Zeit, Herr Professor!&#8220;<br \/>\n\u201eDanke f\u00fcr die Zusatzliteratur, Professor Ibor!&#8220;<br \/>\nH\u00e4tte Michelle nicht gleich sagen k\u00f6nnen, was f\u00fcr ein gro\u00dfes Tier sie sich geangelt hat? Nun hat sie auch ausgesorgt, sogar viel besser als ich. Vielleicht sollte ich dem Schn\u00f6sel doch verzeihen, dass er kein Mensch ist und wom\u00f6glich irgendwann nach Heyla zur\u00fcckkehrAt und mein armes Kind in die W\u00fcste verschleppt &#8230; obwohl ich nat\u00fcrlich immer noch nicht verstehe, was sie an dem gr\u00fcnbl\u00fctigen Kerl findet.<br \/>\nJetzt sieht er mich auch noch und will mich begr\u00fc\u00dfen, aber Michelle h\u00e4lt ihn fest. \u201eDiese Frau ist nicht mehr meine Mutter&#8220;, sagt sie ganz kalt. \u201eIch will mit dieser Rassistin nichts mehr zu tun haben!&#8220; Also, ich finde das ungerecht. Ich habe doch gar nichts gegen Heylaner, solange sie auf ihrem eigenen staubigen Planeten bleiben und unsere M\u00e4dchen in Ruhe lassen, sie nicht mit ihrer verdammten Philosophie einwickeln und ihrer eigenen Mutter entfremden &#8230; und ihre gewissen gr\u00fcnen K\u00f6rperteile ausschlie\u00dflich in die passenden gr\u00fcnen \u00d6ffnungen ihrer eigenen Frauen stecken.<\/p>\n<p class=\"einzug\">Aber halt! Wenn dieser Ibor Professor ist, wieso verlangt Michelle dann immer noch Taschengeld von uns? Ihr Pinselohr ist doch viel reicher als wir, da wird er doch f\u00fcr seine \u201eGemahlin&#8220; allein aufkommen k\u00f6nnen &#8230; oder? Am besten, ich frage ihn gleich, aber nun verschwindet er leider mit schnellen Schritten durch eine T\u00fcr &#8230; und Michelle zeigt mir einfach die kalte Schulter, sieht mich nicht einmal an! Am besten ich gehe heute Abend zu ihr in ihre Studentenbude und stelle sie zur Rede!<\/p>\n<p class=\"einzug\">Ich hasse den Kerl! Nein, diesmal nicht das Pinselohr, sondern meinen verlogenen Ehemann. Ich habe es satt, mich ausnutzen und zum Narren halten zu lassen! Heute Abend bin ich zu Michelle gegangen, um sie zu fragen, ob sie was braucht, ob der verdammte Heylaner sie auch anst\u00e4ndig behandelt &#8230; und nicht etwa eine Gehirnw\u00e4sche mit ihr angestellt hat. Warum dieses geizige Pinselohr Geld von uns verlangt, obwohl es viel reicher ist als wir &#8230; und warum es nicht wenigstens ihre Studentenbude bezahlt. Ich habe mich richtig in meine Wut reingesteigert und dann sehe ich den Briefkasten im Flur, an demA &#8222;Marcel Maras&#8220; steht!<br \/>\n\u201eWie kommt der Name meines Mannes an Michelles T\u00fcr?&#8220;, denke ich noch ganz irritiert und dann kommt die Concierge aus ihrem Glaskasten und kl\u00e4rt mich gen\u00fcsslich auf: \u201eDie Frau Professor ist doch schon vor sieben Wochen ausgezogen &#8230; in eine piekfeine Gegend \u00fcbrigens &#8230; nur Villen und Etagenwohnungen.&#8220; Ich starre die Alte entgeistert an, frage, wer jetzt hier wohnt. \u201eAch, da ist Michelles Vater mit seiner jungen Frau eingezogen. Die Arme hat es nicht leicht. Er ist ja so viel unterwegs auf Gesch\u00e4ftsreise! Aber das M\u00e4dchen ist h\u00fcbsch und nett &#8230; und sehr ordentlich! Solche Mieter haben wir gern!&#8220;<\/p>\n<p class=\"einzug\">Mein Gott war ich bl\u00f6d! Deshalb war der Kerl so viel unterwegs! Mein findiger Ehemann steckt das Geld f\u00fcr die Miete und Michelles Taschengeld einfach in die eigene Tasche und finanziert davon sein Liebesnest!<br \/>\nAm liebsten w\u00fcrde ich ja Sturm klingeln und es der verdammten Schlampe richtig zeigen! Aber wenn ich mir so ein gertenschlankes, blondes, vollbusiges junges Ding vorstelle &#8230; ich wei\u00df doch, wie ich fr\u00fcher aussah und was meinem Marcel gef\u00e4llt. Und jetzt bin ich alt &#8230; und fett, weil ich so oft w\u00fctend bin, weil ich dann jedes Mal Hunger kriege, weil niemand auf mich h\u00f6rt, weil mich niemand richtig beachtet &#8230; weil mein Schweren\u00f6ter von Ehemann sich einfach eine Geliebte zugelegt hat und meine versnobte kleine Tochter zu einem hochn\u00e4sigen, pinselohrigen Alien gezogen ist!<br \/>\nDie Schlampe hier wird mich ansehen, bemerken, dass in jeder Beziehung der Sonntag runter ist und nur \u00fcber mich grinsen. Wenn mein Marcel sich wegen dieser Tussy scheiden l\u00e4sst, sieht es schlecht f\u00fcr mich aus. Ich m\u00fcsste wom\u00f6glich wieder arbeiten gehen! Nach \u00fcber zwanzig Jahren m\u00fcsste ich wieder im Laden stehen! Es ist so ungerecht!<\/p>\n<p class=\"einzug\">Vielleicht sollte ich mir von der alten Concierge doch die Adresse des vornehmen Professors geben lassen. Ich habe geh\u00f6rt, dass diese Heylaner sehr auf Familie stehen sollen und dass ihre \u00e4ltesten M\u00fctter enorm viel Macht haben. Vielleicht kann mein lieber Schwiegersohn meiner lieben kleinen Michelle erkl\u00e4ren, wie wichtig es ist, die eigene Mutter zu respektieren &#8230; ganz egal, ob sie ausnahmsweise einmal etwas Dummes gesagt hat oder nicht &#8230; und vielleicht gibt er mir sogar regelm\u00e4\u00dfig ein wenig Geld und ich muss vielleicht doch nicht &#8230;<\/p>\n<p>\u00a9 Anneliese Wipperling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Kurzgeschichte, 2002) Michelle muss vollkommen verr\u00fcckt sein! Ein bisschen gesponnen hat sie ja schon immer &#8230; sie hat leider diese Star Wars- und Obi-Wan-Macke, tr\u00e4umt von Jedi-Rittern mit Lichtschwertern! 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